Eine Frage des Platzes

13.12.2018

Ich hatte ein gutes Jahr, ich hatte ein schlechtes Jahr 2018.

Ich konnte nicht so viel malen wie letztes Jahr, da ich über Monate ein nervendes, schmerzendes Schultersyndrom hatte. Aber was ich malte, mit dem war ich größtenteils wunderbar zufrieden. Ich habe neue Kunden gefunden und mich mit alten unterhalten. Und dieses Jahr passierte immer wieder etwas, was mich lange zum Nachdenken anregte: Ich wurde von alten Kunden angesprochen, dass sie viele meiner Werke und Themen sehr lieben. So weit so befriedigend und erfüllend für mich!

Doch dann folgte das Aber: Oh ja, da gibt es ja dieses neue Werk, das gefällt so sehr, man habe sich gleich verliebt. Und dann noch eines; man kann sich nicht von losreißen, es passt so toll. Aber man habe ja schon ein oder auch zwei Werke, und man habe keinen Platz mehr, und in eine Ecke stellen möchte man auch nichts! Nein, das Geld wäre nicht das Problem, man wird sich ja immer einig und das wäre es wert! Es ist der Platz, nur der Platz, der fehlt!

An dieser Stelle begann ich dann irgendwann mit einem Schmunzeln zu antworten, ob es nicht Zeit werde, die Zeichen zu erkennen? Oh – welche Zeichen denn? Nun, ganz einfach, sammeln Sie mich! Aber leider ergab dieser Einwurf meinerseits keine ernsthafte Konversation, da mir nicht wirklich gleich passende Argumente einfielen gegen Platzmangel und Staubeinwände.

Heute antworte ich:
Sammeln Sie mich!
Sie wollen meine Werke, weil Sie sie lieben!
Dann müssen Sie die auch haben!

Sie erschaffen meine Kunst zusammen mit mir, denn jeder Kauf ermöglicht mir, Neues zu erschaffen. Ich kann mich weiterentwickeln und Sie haben Ihren sichtbaren Anteil daran. Natürlich werden und können Sie immer wieder umhängen. Sie erhalten neue Inspirationen, Ihr Raum verändert sich. Immer wieder ein kleines Abenteuer. Und ich bekomme vielleicht mehr Besuch in meinem Atelier. Auf ein Glas Whisky oder Wein. Vielleicht sammeln Sie auch schon irgendetwas anderes und ahnen ansatzweise, wovon ich rede. Nur ich bin mir sicher: Beim Kunstsammeln sind die Dimensionen und Aufregungen noch einmal etwas ganz Anderes!

Was nun das Platzproblem betrifft, ist das kein wirkliches Argument gegen das Sammeln. Entsprechende Lagerfläche, egal ob klein oder groß, gibt es bereits für eine kleine Monatsmiete in bester Qualität. Ich argumentiere mal frech: Wenn ich nun mindestens zwei zukünftige Sammler meiner Werke zusammenbringe, könnte man sich die Kosten und Freuden teilen …

Und natürlich, Sie als neugeborener Sammler müssen sich nicht auf mich beschränken. Oh ja, ich wäre gern immer Ihre Nummer Eins, aber ich habe nichts gegen ein wenig Konkurrenz oder unsichtbare Weggefährten, wenn Sie auch von anderen Künstlern auf Ihrem neuen Sammlerweg begleitet werden, so bin ich mir sehr sicher, werden auch diese inspirierend auf mich wirken, wie auch immer das geschehen mag.

Sind Sie dabei? Bist du dabei?

Bis dahin
Uli

PS: Zitat: “Geldverdienen ist eine Dimension des Lebens; Familie, Emotionen und Freunde zu haben eine andere; Sammeln ist nochmals eine andere Dimension. Es ist eine Dimension, die Aufregung, Gefühle, Entscheidungen, Investitionen beinhaltet – nicht nur eines davon, sondern alles zusammen, es ist ein Abenteuer fürs Leben.”

(Jean-Pierre Lehmann, aus: Adam Lindemann, Zeitgenössische Kunst sammeln, Taschen 2006, S. 184)

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